Handelsweg
Das Netz der "alten", antiken Seidenstrasse (1. Jahrhundert n. Christus, Bezeichnungen altlateinisch)
Karte der sechs Landkorridore (schwarz) und der Maritime Silk Road (blau) des Projekts
"One Belt, One Road" (OBOR)
Rot: Volksrepublik China,
Orange: Mitglieder der AIIB
Im- und Exporte der USA (2012)
Ein Handelsweg (auch „Handelsroute“) ist ein Transportweg für Handelswaren. Handelsrouten sind Bestandteile der Wirtschaftsgeografie, bestehen teils seit Menschengedenken und wurden besonders seit der Antike bedeutsam nicht nur für den internationalen Handel (-> "Altstraßen"), im Mittelalter (11. bis 12. Jahrhundert) existierte z. B. in der nördlichen Hemisphäre ein ausgedehntes und ausgeprägtes Netz von Handelsrouten von der Ostküste Chinas bis nach England, Irland, Skandinavien, Spanien, zur Westküste Nord- und der Ostküste Afrikas, zur sibirischen See wie nach Indien und Indonesien usw.[1]
Die internationalen, teils interkontinentalen Netzwerke sind ein Grundstein für die Globalisierung der Wirtschaft, sie sind und waren Grundlage für Austausch, Begegnung, Diffusion und Migration zwischen Personen, Nationen, Völkern und Kulturen, Religionen und Weltanschauungen, für den Austausch politischer und wissenschaftlicher Ideen, Erkenntnisse und Haltungen sowie Ausbreitungs- und Entwicklungswege für Krankheiten und Tierarten (-> "Neobiota"). Ihre Übergänge über Staats- und andere Gebietsgrenzen sind und waren Anlässe für Grenz- und Zollstationen mit der Erhebung entsprechender Gebühren als "Eintritts"- bzw. Passier-Gebühr und Einnahmequelle, das Gegenmodell ist ein mehr oder weniger regulierter "Freihandel", die Organisation der Transporte wird unter "Logistik" zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1 Handelswege nach Verkehrsarten
1.1 Luftstrassen
1.2 Straßen
1.2.1 Beispiele
1.3 Zu Wasser
1.4 Seewege
2 Siehe auch
3 Weblinks
4 Einzelnachweise
Handelswege nach Verkehrsarten |
Das neuzeitliche Projekt One Belt, One Road (OBOR, chinesisch 一帶一路 / 一带一路, Pinyin Yídài Yílù ‚Ein Band, Eine Straße‘, umgangssprachlich auch Belt and Road Initiative (B&R) bzw. Neue Seidenstraße (新絲綢之路 / 新丝绸之路, Xīn Sīchóuzhīlù) oder Silk Road Economic Belt („Seidenstraßen-Wirtschaftsgürtel“, 絲綢之路經濟帶 / 丝绸之路经济带, Sīchóuzhīlù Jīngjìdài)) bündelt seit 2013 die chinesischen Ziele zum Aufbau eines Verkehrsarten- und Kontinent-übergreifenden Infrastruktur-Handels- und Transportnetzes zwischen China und weiteren Ländern Asiens sowie Europa und einigen Ländern Afrikas.[2]
Luftstrassen |
Luftstraßen meint hier Flugrouten von Frachtflugzeugen.
Straßen |
Straßennetz des römischen Reiches (orange, ca. 125 n. Chr.)
"Handelsstraße" bezeichnet Landrouten für Landfahrzeuge wie Gespanne, Lastkraftwagen, Güterzüge usw., der Schwerpunkt des Begriffs liegt auf "Handel" und sagt nichts über Qualität und Ausbauzustand der benutzten Routen aus: Entscheidend sind Bekanntheit, Nutzungshäufigkeit und Namensgebung. In der Regel waren Handelsstraßen unbefestigte Fahrwege, im Römischen Reich baute man sie mit grob behauenen Steinen teilweise zu Verkehrswegen (-> Römerstrasse, Via Appia) aus, die mit heutigen Straßen vergleichbar sind. Die Trassen folgten meist den Wasserscheiden, entweder auf dem jeweiligen Gebirgs- oder Hügelkamm oder hangparallel. War eine Spur ausgefahren, fuhr man daneben oder verlegte die Spur um wenige bis hunderte Meter seitwärts, so dass alte Straßen von oben betrachtet oft wie mäandernde Flüsse aussehen. Der (Waren)verkehr erfolgte meist mit Lasttieren oder mit hölzernen Wagen, die mit Zugtieren bespannt waren (meist Ochsen, da Pferde zu kostbar waren). Als Handelsstraße gelten auch die Saumpfade, die in unwegsamen Gebirgslandschaften eingerichtet wurden. Wasserhindernisse wurden häufig in Furten überwunden. Unter entsprechenden klimatischen Umständen oder Jahreszeiten werden auch eisbedeckte Gewässer zu Handelsrouten.
Da die mittelalterlichen Handelswege alle unbefestigt waren (Naturwege), gab es an den Fahrzeugen oft Rad- und Achsenbrüche. Gemäß dem damaligen Gewohnheitsrecht wurden alle Güter, die zu Boden fielen, Eigentum der jeweiligen Grundherrschaft. Rad- und Achsenbrüche waren somit eine gute Einnahmequelle. Die Fuhrleute hatten daher stets Ersatzräder und -achsen dabei. Am Unterhalt oder gar Ausbau der Wege hatte niemand Interesse. Manche Grundherren sollen sogar die Wege entsprechend präpariert haben, damit die Handelswagen umkippten.
An Kreuzungspunkten, Brücken, Furten oder in Oasen sind oft die Wurzeln für Stadt- bzw. Siedlungsgründungen zu finden. Ebenso spielten im Netz der Handelsstraßen Infrastruktur- und Versorgungseinrichtungen für die Transporteure eine bedeutende Rolle: Hierzu zählen Ausspannen der Zug- und Lastentiere, Karawansereien (im Orient), Gasthöfe, Chausseehäuser und später Poststationen. Sie boten sichere Übernachtungsmöglichkeiten, die Versorgung mit Speisen und Getränken, kurze Erholung von Strapazen und Möglichkeiten, die Zug- und Reittiere auszuwechseln und zu nähren.
Weltweit längste und vielleicht bekannteste Handelsstraße ist u. U. die Seidenstraße. In Europa entstanden aus den Handelswegen die späteren befestigten Landstraßen. In Deutschland folgen fast alle einstelligen Nummern der Bundesstraßen im groben Verlauf wichtigen alten Handelsrouten, z. B. die Bundesstraße 1 auf einer Teilstrecke dem westfälischen Hellweg und die Bundesstraße 2 fast vollständig der Via Imperii.
Beispiele |
Handelsrouten im nördlichen Afrika auf einer Karte von 1853
Karawanserei in Karaj (aus safawidischer Zeit, heute "Iran")
Handelswege der Waräger,
blau: Routen nach Byzanz
rot: Wolga-Handelsweg
orange: weitere Handelsrouten
Haupthandelsrouten des spanischen und portugiesischen Kolonialreichs
Handels- und Verkehrsrouten Deutschlands zur See zum Rest der Welt (1930, Lange-Diercke, Sächsischer Schulatlas)
Schiffsrouten der Wikinger in Nordeuropa
- Altstraße
Bernsteinstraße (seit der Urzeit eine Route für den Bernsteinhandel von der Ost-/Nordsee zu den Alpenländern)- Bhor Ghat
- Burgunderstraße
- Chilkoot Pass
- Dalton Trail
Dsungarische Pforte, Talebene und Gebirgspass auf der Grenze zwischen Ost-Kasachstan und Nordwest-China- Goldener Steig
Grand Trunk Road (verbindet seit Jahrhunderten Peschawar mit Dhaka)- Haines Highway
Handelsweg (das ist der Name für den aus dem Töddenweg in Deutschland und dem Marskramerpad in den Niederlanden zusammengesetzten Fernwanderweg zwischen Osnabrück und Deventer)- Hellweg
- Kaltag Portage
- Karawanenstraßen
- Neue eurasische Kontinentalbrücke
Ochsenweg (auch "Heerweg", auf der kimbrischen Halbinsel, zwischen Deutschland (Hamburg/Elbe) und Dänemark (Viborg), während der Bronzezeit)- Old Spanish Trail
- Reichsstraße (Mittelalter)
- Salzkarawanen in der Sahara
Salzstraße(n)- Santa Fe Trail
Seidenstraße (zwischen Ostasien und Mittelmeerraum, entstanden ca. 5. Jahrhundert v. Chr.)
Silk Road Economic Belt ("Seidenstrassen-Wirtschaftsgürtel")
Teestraße (Handelsroute für Tee aus China in das heutige Russland)
Teeroute (für den Handel mit verschiedenen Tees aus China und angrenzenden Gebieten, hier insbesondere die
Tee-Pferde-Straße (chinesischer Tee <-> tibetische Pferde))
- Trans-Asian Railway
- Trans-Eurasia-Express
Trans-Kalahari-Highway („Eiserne Seidenstraße“)- Via Engadina
- Via Imperii
- Via Publica
- Via Regia
Weihrauchstraße (zwischen Ägypten und Arabien sowie Indien, etablierte sich um das 18. Jahrhundert v. Chr.)
Zu Wasser |
Wasserstraßen sind mit Wasserfahrzeugen befahrene Routen auf Binnengewässern, hier sind wohl u. A. alle größeren Flüsse bzw. die Ströme aller Kontinente zu nennen, z. B. Amazonas, Elbe, Kongo, Nil, Mississippi, Rhein, Wolga usw., außerdem im Einzelnen z. B.:
- Muskingum River
- Weg von den Warägern zu den Griechen
Seewege |
Seewege meint hier mit z. B. Frachtschiffen befahrene Handelsrouten auf Meeren, z. B.:
Seeweg nach Indien (siehe auch Indienhandel)
Maritime Silk Road („maritime Seidenstrasse“)
Siehe auch |
- Asiatisches Fernstraßen-Projekt
- Handelskrieg
Transeuropäische Netze (TEN)- Zollfreigebiet
Weblinks |
Einzelnachweise |
↑ A Fascinating Map of Medieval Trade Routes. Abgerufen am 27. Mai 2018 (amerikanisches Englisch).
↑ Stiftung Asienhaus, giga-hamburg.de: Alte Seidenstraße in neuem Gewand – Chinas Globalisierungsoffensive (PDF, Abgerufen am 14. Mai 2017)