Wyborg
| Stadt Wyborg Выборг
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Liste der Städte in Russland | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Wyborg (Transkription von russisch Выборг; alternativ deutsch Wiborg oder veraltet Wiburg; finnisch Viipuri; schwedisch Viborg) ist eine Stadt in der Oblast Leningrad in Russland. Sie liegt in der historischen Region Karelien zwischen Sankt Petersburg und der finnischen Grenze und hat 79.962 Einwohner (Stand: 14. Oktober 2010).[1]
Die im Mittelalter von den Schweden gegründete Stadt wechselte im Laufe ihrer Geschichte mehrmals den Besitzer. Von 1710 bis 1812 war Wyborg Teil des Russischen Reichs. Ab 1812 gehörte es zum innerhalb des Kaiserreichs autonomen Großfürstentum Finnland und ab 1917 zum dann unabhängigen Finnland. Dort war Wyborg die zweitgrößte Stadt des Landes. Nach dem Winterkrieg 1939–1940 kam sie zur Sowjetunion und die einheimische finnische Bevölkerung wurde ins verbleibende Finnland vertrieben. Die Bevölkerung der Stadt bestand ehemals aus zahlreichen Nationalitäten, insbesondere aus Finnen, Russen, Schweden und Deutschen; sie besteht heute zu über 90 % aus Russen.
Inhaltsverzeichnis
1 Geografie
2 Geschichte
3 Bevölkerungsentwicklung
4 Infrastruktur
5 Sehenswürdigkeiten
6 Söhne und Töchter der Stadt
7 Sonstiges
8 Siehe auch
9 Weblinks
10 Einzelnachweise
Geografie |
In Wyborg mündet der 1845–1856 errichtete Saimaakanal in die Ostsee, der die Finnische Seenplatte (Saimaa-See) bei Lappeenranta mit der Ostsee verbindet. Wyborg liegt an der Eisenbahnlinie Helsinki–Sankt Petersburg.
Geschichte |
Wyborg war im Mittelalter eine bedeutende Handelsstadt. In den nordischen Kriegen zwischen Schweden und Deutschen Ordensrittern auf der einen Seite und Alexander Newski von Nowgorod auf der anderen war Wyborg ein schwedischer Stützpunkt gegen die Nowgoroder Rus. Nach mehrmaligen vergeblichen Belagerungen (z. B. die Belagerung von Wyborg in 1706) durch russische Truppen kapitulierte die Stadt am 12. Juni 1710 in der zweiten Belagerung von Wyborg in diesem Krieg vor dem russischen Admiral Graf Apraxin und gehörte danach zum Russischen Kaiserreich, ab 1812 zum Großfürstentum Finnland. Im Jahre 1790 floh die schwedische Flotte aus der Wyborger Bucht im sogenannten Spießrutenlauf von Wyborg.
Zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte Wyborg sechs Kirchen, ein altes gotisches Schloss, ein Gymnasium und eine Navigationsschule. Der Hafen der Stadt war wirtschaftlich bedeutsam durch den Holzhandel, eine Eisengießerei und den örtlichen Maschinenbau. Im Jahr 1886 hatte die Stadt 16.639 Einwohner und war Sitz des Gouverneurs von Wyborg, des Hofgerichts für die drei Gouvernements Kuopio, Sankt Michel und Wyborg, eines lutherischen Konsistoriums und eines deutschen Konsuls.
Im Jahr 1906 trafen liberale Abgeordnete der kurz zuvor von Zar Nikolaus II. aufgelösten 1. Reichsduma in Wyborg zusammen und verabschiedeten das Wyborger Manifest, das zum zivilen Ungehorsam gegen den Staat aufrief.
Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Wyborg zunächst an das unabhängig gewordene Finnland. Mit fast 50.000 Einwohnern war die Stadt damals die zweitgrößte des neuen Staates. Im Winterkrieg 1939/40 und im Fortsetzungskrieg 1944 (Wyborg-Petrosawodsker Operation) okkupierte die Sowjetunion den größten Teil Kareliens mitsamt Wyborg. Die seit den Zeiten der Hanse in Wyborg ansässige deutsche Minderheit musste 1940 mit den finnischen und schwedischen Einwohnern die Stadt verlassen oder wurde nach 1944 vertrieben.
Heute gehört die Stadt zu Russland.
Bevölkerungsentwicklung |
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1886 | 16.639 |
| 1924 | 51.480 |
| 1939 | 74.403 |
| 1959 | 51.088 |
| 1970 | 65.188 |
| 1979 | 75.573 |
| 1989 | 80.924 |
| 2002 | 79.224 |
| 2010 | 79.962 |
Anmerkung: Volkszählungsdaten
Infrastruktur |
In Wyborg sitzt die Abteilung der Nordöstlichen Akademie für Staatsdienst und eine Filiale der staatlichen Ingenieurökonomischen Akademie Sankt Petersburg.
In der Nähe von Wyborg befindet sich seit 1982 eine HGÜ-Kurzkupplung zum Austausch von elektrischer Energie zwischen dem skandinavischen und dem russischen Stromnetz. Sie besteht aus drei bipolaren HGÜ-Kurzkupplungen mit einer Betriebsspannung von 85 kV, die je für eine Übertragungsleistung von 355 Megawatt ausgelegt sind, die Gesamtübertragungsleistung erreicht also bis zu 1065 Megawatt.
In Wyborg beginnt die Ostsee-Pipeline der Firma Nord Stream.
Die Stadt hatte von 1912 bis 1957 eine elektrische Straßenbahn in Meterspur, eine von nur drei Straßenbahnen in Finnland.
Der Zug von Sankt Petersburg nach Helsinki hält mehrfach täglich in Wyborg.
Sehenswürdigkeiten |
Die Altstadt aus dem Turm der Burg
Wyborger Burg
Karte von 1902
Rathausplatz
- Die heute öffentlich zugängliche Burg Wyborg wurde 1293 auf einer kleinen Insel als Bollwerk von den Schweden errichtet. Heute ist in den Innenräumen ein Museum über die Geschichte der Region untergebracht. Vom Burgturm (Olafturm) bietet sich ein guter Blick über die Stadt.
- Verteidigungsanlagen der Stadt (letzte Erweiterungen 1547–1550), insbesondere der Rundturm „Fette Katharina“ am heutigen Marktplatz, in dem heute ein Restaurant untergebracht ist.
- Uhrturm, errichtet 1490. 1793 stiftete Katharina II. eine Glocke für den Turm.
- Stadtbibliothek, errichtet 1927–1935 von Alvar Aalto.
- Bürgerhäuser aus der finnischen Periode im national-romantischen Stil.
- Park und Herrenhaus Monrepos (siehe auch Karte von 1902).
Söhne und Töchter der Stadt |
Johann IV. von Osnabrück (1529–1574), Fürstbischof von Osnabrück, Münster und Paderborn
Ludwig Heinrich von Nicolay (1737–1820), Lyriker und Präsident der russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg
Hermann Johann von Benckendorff (1751–1800), Major der Kaiserlich Russischen Armee
David Alopaeus (1769–1831), russischer Diplomat
Wladimir Adlerberg (1791–1884), russischer General und Minister
Carl Ferdinand Jänisch (1813–1872), russischer Schachmeister
Julius Krohn (1835–1888), finnischer Dichter
Johan Jacob Ahrenberg (1847–1914), finnlandschwedischer Schriftsteller und Architekt
Bror Brenner (1855–1923), finnischer Segler
Carl Eduard Dippell (1855–1912), finnischer Architekt
Werner Söderhjelm (1859–1931), finnischer Sprachwissenschaftler
Eero Järnefelt (1863–1937), finnischer Maler
Victor Hackman (1866–1941), finnischer Geologe
Richard Wilhelm Gottlieb Faltin (1867–1952), finnischer Chirurg
Oskar Hackman (1868–1922), finnlandschwedischer Folklorist
Armas Järnefelt (1869–1958), finnischer Komponist
Georg Schnéevoigt (1872–1947), finnischer Dirigent und Cellist
Waldemar Björkstén (1873–1933), finnischer Segler
Ernst Mielck (1877–1899), finnischer Pianist und Komponist
Walter Wahl (1879–1970), finnischer Geochemiker und Mineraloge
Villehad Forssman (1884–1944), schwedischer Ingenieur und Flugzeugkonstrukteur
Alfred Asikainen (1888–1942), finnischer Ringer
Allan Franck (1888–1963), finnischer Segler
Sulo Jääskeläinen (1890–1942), finnischer Skispringer und Nordischer Kombinierer
Pekka Myrberg (1892–1976), finnischer Mathematiker
Aleksanteri Toivola (1893–1987), finnischer Ringer
Edwin Linkomies (1894–1963), finnischer Literaturwissenschaftler und Politiker
Ilmari Manninen (1894–1933), finnischer Ethnograph
Aarne Pekkalainen (1895–1958), finnischer Segler
Ernst Ossian Soravuo (1904–1994), finnischer Diplomat
Arvo Närvänen (1905–1982), finnischer Bandy- und Fußballspieler
Aili Konttinen (1906–1969), finnische Autorin
Henry Parland (1908–1930), finnlandschwedischer Dichter und Schriftsteller
Peter Karstedt (1909–1988), deutscher Jurist und Bibliothekar
Thure Georg Sahama (1910–1983), finnischer Geologe und Mineraloge
Kaj Franck (1911–1989), finnischer Designer
Aleksanteri Saarvala (1913–1989), finnischer Kunstturner
Michail Bogdanow (1914–1995), russischer Szenenbildner und Artdirector
Ralf Parland (1914–1995), finnlandschwedischer Schriftsteller, Dichter und Übersetzer
Veikko Huhtanen (1919–1976), finnischer Kunstturner
Lauri Törni (1919–1965), finnischer Offizier
Max Jakobson (1923–2013), finnischer Diplomat
Olavi Rokka (1925–2011), finnischer Moderner Fünfkämpfer
Yrjö Asikainen (1928–2008), finnischer Fußballspieler
Veijo Meri (1928–2015), finnischer Schriftsteller
Jorma Valkama (1928–1962), finnischer Leichtathlet
Paul Nyman (* 1929), finnischer Radrennfahrer
Olavi Mannonen (* 1930), finnischer Moderner Fünfkämpfer
Martti Ahtisaari (* 1937), finnischer Diplomat und Staatspräsident 1994–2000
Wjatscheslaw Jekimow (* 1966), russischer Radrennfahrer
Jewgeni Bersin (* 1970), russischer Radrennfahrer
Alexander Serow (* 1982), russischer Radrennfahrer
Witali Petrow (* 1984), russischer Automobilrennfahrer
Kirill Alexejenko (* 1997), russischer Schachspieler
Sonstiges |
Wyborg spielt eine wesentliche Rolle in Friedrich Wilhelm Murnaus Film „Nosferatu“. Mit dem dort genannten Wisborg ist offenbar Wyborg am äußersten Ende der Ostsee und des Finnischen Meerbusens gemeint. Murnau weicht hier bewusst von der englischen Vorlage des Bram Stoker „Dracula“ ab.
Siehe auch |
- Liste der Städte in der Oblast Leningrad
Weblinks |
Wyborg (englisch, russisch)- http://www.vbg.ru/
- http://www.nortfort.ru/vyborg/
- http://www.aviavyborg.ru/
- http://www.towns.ru/towns/viborg_en.html
Das virtuelle Wiburg 1939 (finnisch, englisch)
Einzelnachweise |
↑ ab Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
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