Parallelogramm
Ein Parallelogramm (von griech. παραλληλό-γραμμος paralleló-grammos „von zwei Parallelenpaaren begrenzt“) oder Rhomboid (rautenähnlich) ist ein konvexes ebenes Viereck, bei dem gegenüberliegende Seiten parallel sind.
Parallelogramme sind spezielle Trapeze und zweidimensionale Parallelepipede. Rechteck, Raute (Rhombus) und Quadrat sind Spezialfälle des Parallelogramms.
Inhaltsverzeichnis
1 Eigenschaften
2 Formelsammlung
3 Beweis der Flächenformel für ein Parallelogramm
4 Konstruktion eines Parallelogramms
5 Verallgemeinerungen
6 Verwendung in der Technik
7 Literatur
8 Weblinks
Eigenschaften |
Ein nicht ausgeartetes Viereck ist ein Parallelogramm genau dann, wenn eine der folgenden Bedingungen erfüllt ist:
- Gegenüberliegende Seiten sind gleich lang und keine zwei gegenüberliegende Seiten schneiden sich (kein überschlagenes Viereck, sogenanntes Antiparallelogramm).
- Gegenüberliegende Winkel sind gleich groß.
- Je zwei benachbarte Winkel ergeben zusammen 180°.
- Die Diagonalen halbieren einander.
- Es ist punktsymmetrisch (zweizählig drehsymmetrisch).
Für jedes Parallelogramm gilt:
- Jede Diagonale teilt es in zwei gleichsinnig kongruente Dreiecke.
- Das Zentrum der Symmetrie ist der Schnittpunkt der Diagonalen.
- Der Satz von Thébault-Yaglom.
Alle Parallelogramme, die mindestens eine Symmetrieachse besitzen, sind entweder Rechtecke oder Rauten.
Formelsammlung |
Bezeichnungen am Parallelogramm
| Formeln zum Parallelogramm | |
|---|---|
Seitenlängen | a=c,b=d{displaystyle a=c,quad b=d} |
Innenwinkel | α=γ,β=δ,α+β=180∘{displaystyle alpha =gamma ,quad beta =delta ,quad alpha +beta =180^{circ }} |
Flächeninhalt | A=a⋅ha=b⋅hb=||AB→×AD→||{displaystyle A=acdot h_{a}=bcdot h_{b}=left|left|,{overrightarrow {AB}},times ,{overrightarrow {AD}},right|right|} A=a⋅b⋅sinα=a⋅b⋅sinβ=e⋅f⋅sinθ2{displaystyle A=acdot bcdot sin alpha =acdot bcdot sin beta ={frac {ecdot fcdot sin theta }{2}}} |
Höhe zu a | ha=b⋅sinα{displaystyle h_{a},=,bcdot sin alpha } |
| Höhe zu b | hb=a⋅sinβ{displaystyle h_{b}=acdot sin beta } |
| Diagonalen (Kosinussatz) | f=a2+b2−2⋅a⋅b⋅cos(α)=a2+b2+2⋅a⋅b⋅cos(β)e=a2+b2−2⋅a⋅b⋅cos(β)=a2+b2+2⋅a⋅b⋅cos(α){displaystyle {begin{array}{ccl}f&=&{sqrt {a^{2}+b^{2}-2cdot acdot bcdot cos(alpha )}}\&=&{sqrt {a^{2}+b^{2}+2cdot acdot bcdot cos(beta )}}\e&=&{sqrt {a^{2}+b^{2}-2cdot acdot bcdot cos(beta )}}\&=&{sqrt {a^{2}+b^{2}+2cdot acdot bcdot cos(alpha )}}end{array}}} |
Parallelogrammgleichung | e2+f2=2(a2+b2){displaystyle e^{2}+f^{2}=2left(a^{2}+b^{2}right)} |
Beweis der Flächenformel für ein Parallelogramm |
Vom großen Rechteck werden sechs Teilflächen abgezogen.
Animation zur Berechnung des Flächeninhalts eines Parallelogramms.
Der Flächeninhalt ist gleich dem Produkt der Länge einer Grundseite b{displaystyle b} mit der zugehörigen Höhe h{displaystyle h}.
Die Fläche A{displaystyle A} des nebenstehenden schwarzen Parallelogramms kann man erhalten, indem man von der Fläche des großen Rechtecks die sechs kleinen Flächen mit bunten Kanten abzieht. Wegen der Symmetrie und der Vertauschbarkeit der Multiplikation
kann man auch vom großen Rechteck das Doppelte der drei kleinen Flächen unterhalb des Parallelogramms abziehen.
Es ist also:
- A=(ax+bx)(ay+by)−2⋅(axay/2+bxay+bxby/2)=axay+axby+bxay+bxby−axay−2bxay−bxby=axby−bxay{displaystyle {begin{array}{cccl}A&=&&(color {YellowOrange}a_{x}color {black}+color {ForestGreen}b_{x}color {black})(color {red}a_{y}color {black}+color {blue}b_{y}color {black})-2cdot (color {YellowOrange}a_{x}color {red}a_{y}color {black}/2+color {ForestGreen}b_{x}color {red}a_{y}color {black}+color {ForestGreen}b_{x}color {blue}b_{y}color {black}/2)\&=&&color {YellowOrange}a_{x}color {red}a_{y}color {black}+color {YellowOrange}a_{x}color {blue}b_{y}color {black}+color {ForestGreen}b_{x}color {red}a_{y}color {black}+color {ForestGreen}b_{x}color {blue}b_{y}\&&color {black}-&color {YellowOrange}a_{x}color {red}a_{y}color {black}quad quad quad -2color {ForestGreen}b_{x}color {red}a_{y}color {black}-color {ForestGreen}b_{x}color {blue}b_{y}\&=&&quad quad quad color {YellowOrange}a_{x}color {blue}b_{y}color {black}-color {ForestGreen}b_{x}color {red}a_{y}end{array}}}
Konstruktion eines Parallelogramms |
Ein Parallelogramm, bei dem die Seitenlängen a{displaystyle a} und b{displaystyle b} sowie die Höhe ha{displaystyle h_{a}} gegeben ist, ist mit Zirkel und Lineal konstruierbar.
Parallelogramm mit den gegebenen Seitenlängen a{displaystyle a} und b{displaystyle b} sowie der Höhe ha{displaystyle h_{a}}. Für die Konstruktion des rechten Winkels ist der Punkt E{displaystyle E} frei wählbar.
Animation am Ende mit einer Pause 10 s.
Verallgemeinerungen |
Eine Verallgemeinerung auf n{displaystyle n} Dimensionen ist das Parallelotop P{displaystyle P}, erklärt als die Menge {α1p1+α2p2+⋯+αnpn∣0≤αi≤1}{displaystyle {alpha _{1}p_{1}+alpha _{2}p_{2}+dotsb +alpha _{n}p_{n}mid 0leq alpha _{i}leq 1}} sowie deren Parallelverschiebungen. Die pi{displaystyle p_{i}} sind dabei n{displaystyle n} linear unabhängige Vektoren.
Verwendung in der Technik |
Parallelogramme finden sich häufig in der Mechanik. Durch vier Gelenke kann eine bewegliche, parallelentreue Lagerung hergestellt werden, die sogenannte Parallelogrammführung.
Beispiele:

Schaltparallelogramm einer Kettenschaltung

Parallel-Scheibenwischer

Hubarbeitsbühne

Pantograph
Literatur |
- F. Wolff: Lehrbuch der Geometrie. Vierte verbesserte Auflage, Druck und Verlag von G. Reimer, Berlin 1845 (Online-Kopie).
- P. Kall: Lineare Algebra für Ökonomen. Springer Fachmedien, Wiesbaden 1984, ISBN 978-3-519-02356-2.
- Wilhelm Killing: Lehrbuch Der Analytischen Geometrie. Teil 2, Outlook Verlagsgesellschaft mbH, Bremen 2011, ISBN 978-3-86403-540-1.
Weblinks |
Eric W. Weisstein: Parallelogram. In: MathWorld (englisch).
Flächen- und Umfangsberechnung von allgemeinen und speziellen Parallelogrammen. Abgerufen am 18. November 2016.
Einführung in das Thema Parallelogramm. Abgerufen am 18. November 2016.
Parallelogramm und Raute. (Memento vom 19. November 2016 im Internet Archive). Abgerufen am 18. November 2016.