Flammpunkt




Der Flammpunkt eines Stoffes ist nach DIN V 14011 die niedrigste Temperatur, bei der sich über einem Stoff ein zündfähiges Dampf-Luft-Gemisch bilden kann.[1]




Inhaltsverzeichnis






  • 1 Weitere Details


  • 2 Brandversuch


  • 3 Flammpunktbestimmung


    • 3.1 Gemische brennbarer Stoffe


    • 3.2 Beispiele




  • 4 Druck- und Konzentrationsabhängigkeit des Flammpunkts


  • 5 Siehe auch


  • 6 Literatur


  • 7 Weblinks


  • 8 Einzelnachweise





Weitere Details |


Durch den Dampfdruck von Flüssigkeiten verdunstet auch unterhalb des Siedepunktes ein Teil der Flüssigkeit. Der Dampfdruck steigt mit der Flüssigkeitstemperatur, d. h. je höher die Temperatur der Flüssigkeit ist, desto mehr der Flüssigkeit geht durch Verdunsten in den Gaszustand über. Die gasförmigen Teile der Flüssigkeit reichern sich im Raum über der Flüssigkeitsoberfläche an und bilden dort ein Dampf/Luft-Gemisch. Überschreitet die Dampfkonzentration die untere Zündgrenze, so kann dieses Gemisch durch eine geeignete Zündquelle entzündet werden. Schon eine Beimischung von wenigen Prozenten einer Flüssigkeit mit niedrigem Flammpunkt zu einer Flüssigkeit mit hohem bzw. keinem Flammpunkt kann eine Mischung mit niedrigem Flammpunkt ergeben.[1] Der Verbrennungsvorgang stoppt in der Regel kurze Zeit nach der Zündung wieder, da bei dieser Temperatur noch nicht genügend brennbare Dämpfe entstehen, um die Verbrennung aufrechtzuerhalten.[2] Ist das Volumen des Gemisches groß genug, kann es explodieren. Unterhalb des Flammpunktes kann sich die Flammfront nicht von der Zündquelle weg ausbreiten, da die Wärme aus der Oxidation nicht ausreicht, um das Gemisch auf die zur Verbrennung nötige Temperatur aufzuheizen. Eine brennbare Flüssigkeit mit einem Flammpunkt, der im Bereich oder unterhalb der Normaltemperatur von etwa 20 °C liegt, ist am gefährlichsten, weil sie jederzeit ohne weitere Wärmezufuhr schon mit einem Funken gezündet werden kann. Bei brennbaren Flüssigkeiten, die wasserlöslich sind (z. B. Alkohol), ist der Flammpunkt abhängig von der Konzentration der Flüssigkeit. Das Verdünnen mit Wasser führt zur Heraufsetzung des Flammpunktes.[3] Literaturwerte für Flammpunkte gelten allgemein für einen Luftdruck von 1013 mbar. Bei höherem Druck steigt zwar der Dampfdruck geringfügig,[4] der Flammpunkt erhöht sich jedoch, weil der brennbare Dampf durch mehr Moleküle der Luft „verdünnt“ wird.


Die Zündquelle (z. B. elektrostatischer Funke oder Flamme) muss eine Mindestzündenergie erzeugen (z. B. für Methan 0,2 mJ)[1] und die Atmosphäre muss einen Mindestgehalt an Sauerstoff aufweisen (z. B. für Bisphenol A 2,0 Vol.-%).


Zur Aufrechterhaltung der Verbrennung muss zusätzlich zumindest die Verdampfungswärme aufgebracht werden (Viele Stoffe befinden sich an ihrem Flammpunkt bereits im flüssigen Aggregatzustand, andere sind fest und sublimieren, manche sind am Flammpunkt nicht stabil, sodass der Dampf Zersetzungsprodukte enthält). Die dazu nötige, höhere Dampfkonzentration entsteht bei einer um wenige Grad höheren Temperatur, dem Brennpunkt. Vom Flamm- und Brennpunkt zu unterscheiden ist die Zündtemperatur, bei der eine Zündquelle nicht mehr nötig ist.



Brandversuch |


Dieselkraftstoff oder Heizöl mit einem Flammpunkt von etwa 55 °C lassen sich bei Raumtemperatur mit einem Streichholz nicht entflammen. Wird jedoch das Streichholz lange genug an die Flüssigkeit gehalten, steigt lokal die Temperatur an der Flüssigkeitsoberfläche, wodurch der Flammpunkt erreicht und damit die Flüssigkeit lokal entflammt wird. Von hier breitet sich die Flamme dann kreisförmig auf der Oberfläche aus.[5]



Flammpunktbestimmung |




Automatischer Flammpunktprüfer nach der Pensky-Martens-Methode mit integrierter Feuerlöscheinrichtung


Der Flammpunkt ist ausschlaggebend bei der Einstufung und Klassifizierung als Gefahrstoff bzw. nach der BetrSichV.[3]


Es gibt verschiedene standardisierte Apparaturen, um den Flammpunkt einer Flüssigkeit zu bestimmen:[6]



  • Methode nach Pensky-Martens (> 50 °C; DIN 51758, EN 22719, aktuell Standardapparatur)

  • Methode nach Abel-Pensky (< 50 °C; DIN 51755, geschlossener Tiegel = c. c. closed cup)

  • Methode nach Cleveland (DIN 51376, offener Tiegel = open cup)

  • Methode nach Marcusson (DIN 51584, offener Tiegel, veraltete Methode von 1959)


Generell liefern Closed-cup-Methoden niedrigere Flammpunkte als die veralteten Open-cup-Methoden.[7] Letztere dienten in Abwandlungen zur Bestimmung des heute nicht mehr gebräuchlichen Brennpunkts.



Gemische brennbarer Stoffe |


In Gemischen bestimmt der Dampfdruck der am niedrigsten siedenden Substanz den Flammpunkt des Gemischs.[1]


  • Dem Ottokraftstoff (Benzin) sind neuerdings leichtsiedende Ether (Methyl-tert-butylether, Ethyl-tert-butylether) beigemischt, die seinen Flammpunkt und auch seine Zündtemperatur senken.


  • Hefeweizenbier (= 5 Vol.-% Ethanol in Wasser) hat einen Flammpunkt von 81 °C; d. h. 5-prozentiges Ethanol entwickelt bei 81 °C die zur Zündung notwendige Konzentration an brennbaren Dämpfen von 3,5 % (= Untere Explosionsgrenze).

Das lässt sich mit dem Raoultschen Gesetz über die Partialdampfdrücke von Wasser und Ethanol auch errechnen.



Beispiele |


Hinweis: 1,0 Vol.-% entspricht 10.000 ppm











































































































































































































































































































Substanz
Siedepunkt
Flammpunkt

Untere
Explosions-
grenze
Obere
Explosions-
grenze

Zünd
temperatur
[°C] [°C] [Vol.-%] [Vol.-%] [°C]
Wasserstoff
00–253

000004

000077

000560

Methan (Erdgas)

00–162

000004,4

000016,5

000595
Ethan
000–89

000-135

000003

000012,4

000515
Acetylen
000–84

000002,3

000082

000305
Propan
000–42

000001,7

000010,9

000470
Butan
000000

000001,4

000009,3

000365
Acetaldehyd
000020

000-30

000004

000057

000155

n-Pentan

000036

000-35

000001,4

000008,0

000285
Diethylether
000036

000-40

000001,7

000036

000160
Schwefelkohlenstoff
000046

000-30

000001,0

000060

000102
Propionaldehyd
000047

000-40

000002,3

000021

000175
Methyl-tert-butylether
000055

000-28

000001,6

000008,4

000460
Aceton
000056

000-18

000002,1

000013

000540
Methanol
000065

000011

000005,5

000037

000455

n-Hexan

000069

000-22

000001,0

000008,1

000240
Ethyl-tert-butylether
000071

000-19

000001,2

000007,7


Ethanol (Brennspiritus)

000078

000013

000003,5

000015

000425
Isopropanol
000082

000012

000002

000012

000425
Ethylenglycoldimethylether
000084 … 86

0000-6

000001,6

000010,4

000200

n-Heptan

000098

0000-4

000001,0

000007

000215 = ROZ=0

Isooctan, 2,2,4-Trimethylpentan

000099

000-12

000001,0

000006

000410 = ROZ=100
1,4-Dioxan
000101

000011

000001,7

000025

000300
1-Butanol
000117

000034

000001,4

000011,3

000340
Propylenglycolmonomethylether
000119 … 121

000032

000001,7

000011,5

000270

n-Octan

000126

000012

000000,8

000006,5

000210
Diglykoldimethylether
000155 … 165

000051

000001,4

000017,4

000190
Dipropylenglycoldimethylether
000175

000065

000000,85

000165
Dipropylenglycolmonomethylether
000185 … 195

000080

000001,1

000014

000205
Glycerin
000290 Zers.

000176

000400

Benzin für Kfz. (KW-Gemisch)

000070 … 210

0< −20

000000,6

000008

000200 … 410

Diesel für Kfz. (KW-Gemisch)

000150 … 390

00> 55

000000,6

000006,5

000220 (ca.)

Biodiesel (FS-Methylester)

000300 (ca.)

000180

000250 (ca.)

Jet-A1 Flugturbinentreibstoff

000150 (ca.)

000038

000000,6

000006,5

000220 (ca.)

Rapsöl (FS-Triglycerid)

000350 (ca.)

000230

000300 (ca.)

Feuerzeugbenzin[8]

000113 … 143

000007

000000,7

000006

000380

Die Daten von Rapsöl gelten stellvertretend für alle Speisefette und Speiseöle. Den Flammpunkt von Rapsöl kann man anhand der Beispiele recht zuverlässig auf ca. 230 °C schätzen. Brände am Herd entstehen durch Überschreitung der Zündtemperatur (ca. 300 °C) von Speisefetten oder Ölen.



Druck- und Konzentrationsabhängigkeit des Flammpunkts |


Die Daten der Tabelle wurden unter standardisierten Bedingungen mit Reinsubstanzen ermittelt. Bei Verdünnen mit Inertgasen und/oder unter Druck ist es wahrscheinlich, dass sich die Werte für die untere Explosionsgrenze um 20 % (pro 100 °C) verringern und die der oberen Explosionsgrenze um 10 % (pro 100 °C) erhöhen.[9][10] Die Absenkung der unteren Explosionsgrenze um 20 % entspricht ungefähr einem 5 °C niedrigeren Flammpunkt (vgl. Sättigungsdampfdruckkurve).



Siehe auch |



  • Chemsafe: Datenbank für Flammpunkte (unter anderem) der PTB und der BAM


Literatur |



  • E. Brandes, W. Möller: Sicherheitstechnische Kenngrößen, Band 1: Brennbare Flüssigkeiten und Gase, Wirtschaftsverlag NW, Verlag für neue Wissenschaft GmbH, Bremerhaven 2003, ISBN 3-89701-745-8

  • BG RCI Merkblatt R003 Sicherheitstechnische Kenngrößen, Jedermann-Verlag, Heidelberg, pdf-Download.

  • M. Kräft: Explosionsschutz mit Flammensperren, 2. Auflage, Mackensen, Berlin 2007, ISBN 978-3-926535-53-5



Weblinks |



 Wiktionary: Flammpunkt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen


  • Kräft, M., Ex.CE.L Arbeitsschutz Gruppe: Ausgewählte Methoden der Flammpunktbestimmung

  • Darstellung eines Geräts zur Bestimmung des Flammpunkts von Petroleum von 1883: Der Abel‘sche Petroleumprober



Einzelnachweise |




  1. abcd Gisbert Rodewald: Brandlehre. W. Kohlhammer Verlag, 2006, ISBN 978-3-17-019129-7, S. 172 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 


  2. Henry Portz: Brand- und Explosionsschutz von A-Z Begriffserläuterungen und brandschutztechnische Kennwerte. Springer-Verlag, 2015, ISBN 978-3-322-80197-5, S. 68 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 


  3. ab Praxishandbuch für den betrieblichen Brandschutz. WEKA Media, ISBN 978-3-8111-4471-2 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 


  4. Wedler, G., „Lehrbuch der Physikalischen Chemie“, 5. Auflage, Whiley-VCH, Weinheim, 2004, ISBN 3-527-31066-5.


  5. Olaf Eduard Wolff: Brandleichen – Tatortarbeit und Ermittlungen Erscheinungsformen, Ursachen, Beweissicherung. Richard Boorberg Verlag, 2017, ISBN 3-415-05888-3 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 


  6. Uwe J. Möller, Jamil Nassar: Schmierstoffe im Betrieb. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-56379-9, S. 124 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 


  7. Henrikus Steen: Handbuch des Explosionsschutzes. John Wiley & Sons, 2012, ISBN 3-527-66086-0, S. 60 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 


  8. EU-Sicherheitsdatenblatt Feuerzeugbenzin F001: In: pearl.de. Zippo GmbH, 17. November 2009, abgerufen 14. März 2013 (PDF; 72 kB).


  9. E. Brandes, M. Thedens: Kenngrößen des Explosionsschutzes bei nichtatmosphärischen Bedingungen. In: PTB-Mitteilungen 113, Heft 2. Physikalisch-Technische Bundesanstalt, 2003, S. 115-121, archiviert vom Original am 30. September 2007; abgerufen am 12. Juli 2016 (PDF). 


  10. E. Brandes, M. Thedens: Safety Characteristics at non Atmospheric Conditions. Physikalisch-Technische Bundesanstalt, abgerufen am 12. Juli 2016 (PDF; 421 kB, englisch, Vortragsfolien). 




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