Tudḫaliya IV.
Tudḫaliya IV., Relief in Yazılıkaya
Tudḫaliya IV. (hurritischer Geburtsname: Ḫišmi-Šarruma) war ein hethitischer Großkönig im 13. Jahrhundert v. Chr.
Inhaltsverzeichnis
1 Leben
2 Archäologische Funde
3 Stammbaum[4][5][6][7]
4 Siehe auch
5 Literatur
6 Fußnoten
Leben |
Tudḫaliya war Sohn des Großkönigs Ḫattušili III. Während dessen Regierungszeit befasste er sich, gemeinsam mit Prinz Nerikkaili, mit Piyamaradu, wahrscheinlich einem Untertanen des Großkönigs von Aḫḫiyawa, der an der Westküste Kleinasiens Überfälle tätigte. Nach dem Tode Ḫattušilis wurde Tudḫaliya Großkönig, wobei sein älterer Bruder, der ursprünglich für dieses Amt vorgesehen gewesen war, übergangen wurde. Die Gründe hierfür sind unbekannt. Allerdings hatten diverse Beamtengruppen einen besonderen Eid auf Tudḫaliya zu leisten. Die Königinwitwe Puduḫepa war zu Beginn seiner Regentschaft noch politisch aktiv, wovon Siegelfunde zeugen, die von Tudḫaliya und Puduḫepa gemeinsam signiert sind.
In Tudḫaliyas Regierungszeit gab es sowohl eine Verschlechterung der Beziehungen zu Assyrien, das unter Tukulti-Ninurta I. stark expandierte, als auch zu Aḫḫiyawa. So forderte Tudḫaliya in einem Vertrag seinen Vasallen Amurru auf, assyrische Kaufleute an der Durchreise zu hindern und deren Handel mit Händlern aus Aḫḫiyawa in den Häfen Amurrus zu unterbinden. Išuwa, eine Gegend in Ostanatolien, ging an die Assyrer verloren. Ein Brief Tukulti-Ninurtas, aufgefunden in Ugarit, erwähnt einen Sieg über ein hethitisches Heer in Obermesopotamien.
Dagegen konnte Tudḫaliya IV. Zypern (Alašiya) annektieren, das eine wichtige Station des damaligen Handels im östlichen Mittelmeergebiet war und reiche Kupfervorkommen hatte. Archäologische Belege für eine hethitische Präsenz auf der Insel sind allerdings mehr als spärlich.
Bronzetafel mit dem Vertrag zwischen Tudḫaliya IV. und Kurunta von Tarḫuntašša
Gesondert zu betrachten ist das Verhältnis Tudḫaliyas zu Kurunta, dem Vizekönig von Tarḫuntašša. Dieser entstammte der von Ḫattušili III. vom Thron gestoßenen Linie des hethitischen Königshauses. Nach einem zwischen beiden geschlossenen Staatsvertrag zu urteilen, hatten sie in ihrer Jugend ein enges Verhältnis zueinander:
„Bevor ich, Tudḫaliya, der Großkönig, König geworden war, da hatte die Gottheit mich und Kurunta bereits in Freundschaft zusammengeführt. Und wir waren uns schon damals wert und gut. Und wir waren gegenseitig Eidbrüder: ‚Der eine schütze den anderen!‘“[1]
In diesem Staatsvertrag fallen die Änderungen im Gegensatz zu früheren Verträgen mit Vizekönigen von Tarhuntašša zugunsten Kuruntas aus. Sein Herrschaftsbereich erhält fest umrissene Grenzen und die Abgaben und Truppenstellungen für den Großkönig werden reduziert.
In Ḫattuša wurden einige Siegel gefunden, die Kurunta als Großkönig ausweisen, so dass es möglicherweise zu einem Bürgerkrieg zwischen Tudḫaliya – eventuell aber auch erst zwischen seinem nur kurz regierenden Nachfolger Arnuwanda III. – und Kurunta kam, der in einer Regierungsübernahme Kuruntas gipfelte. Da aber nach Tudḫaliyas Tod seine Söhne Arnuwanda III. und danach Šuppiluliuma II. die Herrschaft übernahmen, dürfte Kurunta die Auseinandersetzungen um den Thron letztlich verloren haben.
Archäologische Funde |
1986 wurde in Ḫattuša der erwähnte Staatsvertrag mit Kurunta auf einer Metalltafel gefunden, der diesem die Herrschaft über Tarḫuntašša im Süden Kleinasiens gewährte. Unter Tudḫaliya IV. gab es eine rege Bautätigkeit, sowohl in der Hauptstadt Ḫattuša als auch im benachbarten Heiligtum von Yazılıkaya, in dem sich zwei Darstellungen Tudḫaliyas finden, eine davon zusammen mit seinem persönlichen Schutzgott Šarruma.[2]
Ihm wird auch der Bau von zehn Staudämmen zugeschrieben, darunter die Dämme von Gölpınar, Köylütolu und Karakuyu.[3] Auf der Nişantaş genannten Felsinschrift im Gebiet der Hauptstadt berichtet Tudḫaliyas Sohn Šuppiluliuma II. über die Taten seines Vaters.
Stammbaum[4][5][6][7] |
| Tudḫaliya I. | Nikkalmati | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Arnuwanda I. | Ašmunikal | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Tudḫaliya II. | Daduḫepa | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Tudḫaliya III. | Šuppiluliuma I. | 1. Ḫinti | 2. Malnigal | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Zida | Telipinu | Piyaššili | Zannanza | Arnuwanda II. | Muršili II. | 1. Gaššulawiya | 2. Danuḫepa | Frau Šattiwazzas | Šattiwazza | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Ḫalpa-šulupi | Muwattalli II. | Maššana-uzzi | Mašturi | Ḫattušili III. | Puduḫepa | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Urḫi-Teššub | Kurunta | Ramses II. | Šauškanu | Tudḫaliya IV. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Arnuwanda III. | Šuppiluliuma II. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Siehe auch |
- Liste der hethitischen Großkönige
Literatur |
Heinrich Otten: Die Bronzetafel aus Boğazköy. Ein Staatsvertrag Tutḫalijas IV. (= Studien zu den Boğazköy-Texten. Beiheft. 1). Harrassowitz, Wiesbaden 1988, ISBN 3-447-02784-3.
Horst Klengel: Tutḫalija IV. von Ḫatti. Prolegomena zu einer Biographie. In: Altorientalische Forschungen. Bd. 18, Nr. 2, 1991, S. 224–238, doi:10.1524/aofo.1991.18.2.224.- Birgit Brandau, Hartmut Schickert: Hethiter. Die unbekannte Weltmacht. Piper, München u. a. 2001, ISBN 3-492-04338-0.
- Jörg Klinger: Die Hethiter (= Beck'sche Reihe. 2425). Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-53625-0, S. 62, 66, 109, 111–116.
Fußnoten |
↑ zitiert nach Jörg Klinger: Die Hethiter. 2007, S. 113.
↑ Ausführlich zur regen Bautätigkeit Tudḫaliyas in und um Hattuša: Peter Neve: Ḫattuša. Stadt der Götter und Tempel. Neue Ausgrabungen in der Hauptstadt der Hethiter (= Zaberns Bildbände zur Archäologie. Bd. 8). Mainz, von Zabern 1993, ISBN 3-8053-1478-7 (2., erweiterte Auflage. ebenda 1996).
↑ Yasemin Kuşlu, Üstün Şahin: Water Structures in Anatolia from Past to Present. In: Journal of Applied sciences research. Bd. 5, Nr. 12, 2009, ISSN 1819-544X, S. 2109–2116, (Digitalisat (PDF; 797 KB)).
↑ Jörg Klinger: Die Hethiter. 2007.
↑ Johannes Lehmann: Die Hethiter. Volk der tausend Götter. C. Bertelsmann, München u. a. 1975, ISBN 3-570-02610-8.
↑ Waltraud Sperlich: Die Hethiter. Das vergessene Volk (= Abenteuer Archäologie. 2). Jan Thorbecke, Ostfildern 2003, ISBN 3-7995-7982-6.
↑ Volkert Haas: Die hethitische Literatur. Texte, Stilistik, Motive. Walter de Gruyter, Berlin u. a. 2006, ISBN 3-11-018877-5, S. 91.
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Ḫattušili III. | Hethitischer Großkönig 1236–1215 v. Chr. | Arnuwanda III. |
Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Tudḫaliya IV. |
| KURZBESCHREIBUNG | hethitischer Großkönig |
| GEBURTSDATUM | 13. Jahrhundert v. Chr. |
| STERBEDATUM | 13. Jahrhundert v. Chr. |