Amiens




































































Amiens

Wappen von Amiens

Amiens (Frankreich)


Amiens



Region

Hauts-de-France (Präfektur)

Département

Somme

Arrondissement

Amiens

Kanton

Amiens-1 (Hauptort)
Amiens-2 (Hauptort)
Amiens-3 (Hauptort)
Amiens-4 (Hauptort)
Amiens-5 (Hauptort)
Amiens-6 (Hauptort)
Amiens-7 (Hauptort)

Gemeindeverband

Amiens Métropole

Koordinaten

49° 54′ N, 2° 18′ O49.8919444444442.2977777777778Koordinaten: 49° 54′ N, 2° 18′ O

Höhe
14–106 m
Fläche
49,46 km2

Einwohner
133.755 (1. Januar 2016)

Bevölkerungsdichte
2.704 Einw./km2

Postleitzahl
80000

INSEE-Code

Website

http://www.amiens.fr/


Kathedrale von Amiens

Amiens [.mw-parser-output .IPA a{text-decoration:none}aˈmjɛ̃] (lateinisch Ambianum von [ad] Ambiānōs ‚bei den Ambianern‘) ist die Hauptstadt des französischen Départements Somme in der Region Hauts-de-France und hat 133.755 Einwohner (Stand 1. Januar 2016). Diese werden Amiénois genannt.




Inhaltsverzeichnis






  • 1 Geografie


  • 2 Geschichte


    • 2.1 Antike und Mittelalter


    • 2.2 Neuzeit und Gegenwart




  • 3 Politik


    • 3.1 Wappen


    • 3.2 Partnerschaften




  • 4 Sehenswürdigkeiten


    • 4.1 Alte historische Sehenswürdigkeiten


    • 4.2 Bauten des 19. Jahrhunderts


    • 4.3 Bauten des 20. Jahrhunderts




  • 5 Wirtschaft


  • 6 Verkehr


  • 7 Persönlichkeiten


  • 8 Weblinks


  • 9 Einzelnachweise





Geografie |


Die Stadt liegt etwa 140 Kilometer nördlich von Paris an der kanalisierten Somme und an der Einmündung ihrer linken Nebenflüsse Selle und Avre.



Geschichte |



Antike und Mittelalter |


Menschliche Zeugnisse gehen bis in die Zeit der Altsteinzeit vor 700.000 Jahren zurück. Im Jahr 1872 entdeckte Gabriel de Mortillet im Amienser Vorort Saint-Acheul eine Stätte von Faustkeilen. Deswegen trägt heute eine Kulturstufe des Paläolithikums die Bezeichnung Acheuléen.


Bevor die Römer die Gegend an der Somme besetzten, hatten dort die keltischen Ambiani gelebt. Aus deren Stammesnamen leitete sich später die Bezeichnung Amiens ab. Zur Zeit der Römerherrschaft trug die Siedlung den Namen Samarobriva (Gallisch: briva ‚Brücke‘, Samara ‚Somme‘, d. h. ‚Brücke über die Somme‘). Die Römer bauten den strategisch wichtigen Somme-Übergang zu einem der wichtigsten Orte ihrer Provinz Gallia Belgica aus.


Julius Caesar hielt sich laut seinem eigenen Bericht (De Bello Gallico) vom September 54 v. Chr. bis zum Frühling 53 v. Chr. dort auf, um zweimal das gallische Konzil einzuberufen. Die Stadt erhielt ein großes Forum (320 × 125 m), Thermen (an der heutigen Rue Beauvais) und ein Amphitheater für 15.000 Zuschauer (an der Stelle des heutigen Rathauses). Im Jahr 287 wurde der Heilige Firmin als Bischof erwähnt; er erlitt 303 den Märtyrertod. Die Diözese wurde später dem Erzbistum Reims unterstellt.


Der heilige Martin soll in Amiens im Winter 338/339 seinen Mantel mit einem Bettler geteilt haben.


Mit zunehmenden Barbareneinbrüchen durch Alanen, Vandalen und Burgunden wurde Amiens in eine Festung umgewandelt: Die Stadtmauer umfasste 20 Hektar, womit Amiens die flächengrößte Festung nördlich der Alpen war. Dennoch fiel die Stadt im 5. Jahrhundert in die Hände der Franken. Mit der Picardie gelangte Amiens Anfang des 15. Jahrhunderts an Burgund und gehörte zu dem Teil des burgundischen Erbes, das nach 1493 bei Frankreich verblieb.



Neuzeit und Gegenwart |


Amiens entwickelte sich seit dem 18. Jahrhundert zu einem bedeutenden Industriestandort, vornehmlich der Textilindustrie, wobei besonders die Familie Cosserat zu Bedeutung gelangte.


1802 schlossen Großbritannien und das napoleonische Frankreich hier den Frieden von Amiens, der nur 13 Monate hielt. 1848 erhielt Amiens einen Eisenbahnanschluss. 1906 hielt hier die französische Gewerkschaft CGT einen historischen Kongress ab, auf dem sie die Charta von Amiens verabschiedete.


Im Ersten Weltkrieg (1914–1918) war die Stadt für kurze Zeit deutsch besetzt; vom 1. Juli bis zum 18. November 1916 fand wenig östlich von Amiens die Schlacht an der Somme statt. Sie wurde abgebrochen, ohne eine militärische Entscheidung herbeigeführt zu haben; mit über einer Million getöteten, verwundeten und vermissten Soldaten zählt sie zu den verlustreichsten Schlachten des Ersten Weltkriegs. Amiens war dabei Etappenstadt, und die barocke Figur des Weinenden Engels in der Kathedrale von Amiens wurde bei Soldaten und auf deren Postkarten zu einem Symbol dieser Abnutzungsschlacht.


Im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) wurde Amiens am Mittag des 20. Mai 1940 im Rahmen des Westfeldzuges von der vorrückenden 1. Panzer-Division erobert.[1] Im April 1944 flogen die Westalliierten Luftangriffe vor allem auf Eisenbahnknotenpunkte – darunter auf Amiens – zur Vorbereitung der Invasion in der Normandie. Dabei wurde Amiens stark beschädigt.


Am 31. August 1944 rückten britische Truppen in die Stadt ein.


Das Stadtbild ist vom Wiederaufbau der 1950er Jahre geprägt.


In Amiens besteht eine der landesweit 15 Sicherheitszonen (Zone de sécurité prioritaire) in einem Problemviertel, für das der 2012 neu ins Amt gekommene (ehemalige) Innenminister Manuel Valls (PS) verstärkte Polizeipräsenz angekündigt hat.[2]



Politik |



Wappen |


Blasonierung: „Unter mit goldenen Lilien besätem blauem Schildhaupt in Rot ein symmetrischer silberner Efeubaum.“


Das Wappen entstammt einem Schöffensiegel, das Philipp-August 1185 der Stadt verlieh. Es kamen die französischen Königslilien ins Wappen. Die Freiflächen wurden von Wappenmalern mit Arabesken, ornamentalem Blattwerk, Weidenruten und Efeuranken ausgefüllt. Die Ranken des Efeubaumes sollten die Bindung und Verbundenheit der Stadt an die Krone zeigen. Im großen Wappen halten zwei Einhorne den Schild und demonstrieren Reinheit und Aufrichtigkeit.



Partnerschaften |


Amiens ist Partnerstadt von Dortmund und Görlitz in Deutschland sowie von Darlington in Großbritannien und Tulsa in den Vereinigten Staaten von Amerika. Weitere Beziehungen mit dem Ziel einer sozialen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit bestehen zu Brighton und Hove in Großbritannien, Lemberg in der Ukraine und Santa Catarina auf der Insel Santiago von Kap Verde. Auch zur Stadt Nador in Marokko gibt es Kontakte.[3]



Sehenswürdigkeiten |




Quartier Saint Leu




Alte historische Sehenswürdigkeiten |



  • Die Stadt ist Bischofssitz und Universitätsstadt. Der Bau der Kathedrale von Amiens in der damals reichen Handelsstadt Amiens wurde um 1218 begonnen. Sie ist das größte Sakralgebäude Frankreichs.

  • Der Belfried von Amiens, im 15. Jahrhundert errichtet und im 18. Jahrhundert umgestaltet, gehört seit 2005 zum UNESCO-Welterbe Belfriede in Nordfrankreich und Wallonien und ist seit 1926 ein Monument historique.[4]

  • Im Archäologischen Garten von Saint-Acheul sind Fundstücke der vor mehr als 450.000 Jahren lebenden Menschen an der Somme zu sehen.

  • Zitadelle von Amiens


  • Les Hortillonnages sind ein von Kanälen durchzogenes, jahrhundertealtes Obst- und Gemüseanbaugebiet.



Bauten des 19. Jahrhunderts |




  • Bibliothèque Louis Aragon, im neoklassizistischen Stil 1823 von François-Auguste Cheussey erbaut


  • Palais de Justice, zwei Gebäude von 1834 und 1846


  • Place Saint-Denis (heute Place René Goblet) 1839

  • Pfarrkirche Saint-Firmin-le-Martyr 1842–1843 François-Auguste Cheussey

  • Auf dem Cimetière de la Madeleine das Grab von Jules Verne



Bauten des 20. Jahrhunderts |





Tour Perret


  • Der 1952 fertiggestellte, von dem Architekten Auguste Perret entworfene Tour Perret überragt mit 104 Metern Höhe die Kathedrale und ist prägendes Element der Stadtsilhouette


Wirtschaft |


Amiens ist ein wichtiger Standort für Zulieferer der Automobilindustrie (Valeo, Goodyear, Dunlop). Seit den 1990er Jahren siedelten sich auch vermehrt Internetunternehmen und Callcenter in der Stadt an.



Verkehr |


Amiens ist bedeutender Verkehrsknoten im Norden Frankreichs: Die Autoroute A16 verbindet Amiens mit Paris und Calais, und die Autoroute A29 verbindet Amiens mit Saint-Quentin und Le Havre. Bahnverbindungen bestehen nach Boulogne, Lille, Reims, Paris und Rouen. Im Osten der Stadt befindet sich der Flugplatz Amiens-Glisy.



Persönlichkeiten |




  • Firmin der Ältere von Amiens (272–303), Bischof und Märtyrer, Schutzpatron der Stadt


  • Magnentius (303–353), römischer Kaiser


  • Peter der Einsiedler (1050–1115), Prediger zur Zeit des Ersten Kreuzzugs


  • Petrus de Cruce, Komponist und Musiktheoretiker, lebte um die Mitte des 13. Jahrhunderts


  • Jean Bauhin (1511–1582), Leibarzt von Johanna von Albret, der Königin von Navarra


  • Vincent Voiture (1598–1648), Dichter und Schriftsteller


  • Jean Baptiste Louis de Gresset (1709–1777), Dichter


  • Jean-Baptiste Joseph Delambre (1749–1822), Astronom


  • Antoine Daveluy (1818–1866), Missionar in Korea und Märtyrer


  • Jules Verne (1828–1905), Schriftsteller


  • Édouard Lucas (1842–1891), Mathematiker


  • Édouard Branly (1844–1940), Physiker und Pionier der Funktechnik


  • Paul Bourget (1852–1935), Schriftsteller


  • Paul de Wailly (1854–1933), Komponist


  • Charles Faroux (1872–1957), Motorsportfunktionär und Rennleiter


  • Clovis Trouille (1889–1975), Maler


  • Alfred Letourneur (1907–1975), Radrennfahrer


  • Jacques Kardinal Martin (1908–1992), Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche


  • Robert Marchand (* 1911), Radsportler


  • Pál Benkö (* 1928), ungarisch-US-amerikanischer Schach-Großmeister und Studienkomponist


  • Véronique Silver (1931–2010), Theater- und Filmschauspielerin


  • Jean-Claude Naude (1933–2008), Jazz- und Unterhaltungsmusiker


  • Olivier Blanchard (* 1948), Professor für Wirtschaftswissenschaften am Massachusetts Institute of Technology


  • Brigitte Macron (* 1953), Lehrerin und die Ehefrau des Politikers Emmanuel Macron


  • Franck Perque (* 1974), Radrennfahrer


  • Emmanuel Macron (* 1977), Politiker, Staatspräsident Frankreichs


  • Yann M’Vila (* 1990), Fußball-Nationalspieler


  • Mélanie Henique (* 1992), Schwimmerin



Weblinks |



 Commons: Amiens – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien



  • Das Haus von Jules Verne in Amiens (französisch)


  • Webseite der Stadt Amiens (französisch)


  • Aussprache von Amiens auf Forvo.com



Einzelnachweise |




  1. Kriegstagebuch


  2. Schwere Jugendkrawalle in nordfranzösischer Stadt Amiens. In: NZZ.ch. 14. August 2012, abgerufen am 14. Juli 2018. 


  3. Website von Amiens (Memento vom 5. Mai 2013 im Internet Archive)


  4. Base Mérimée


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